© Foto: Meilinger Holzbau / Achim Dathe

Tragwerksmontage mit Pfiff

Die industrielle Herstellung von Nagelplattenbindern muss nicht unbedingt im Wettbewerb zu handwerklich gezimmerten Dachtragwerken stehen: Aufgeschlossene  Zimmereien nutzen die Vorteile, die ihnen der Zukauf vorgefertigter Nagelplattenkonstruktionen bringt. Vor allem, wenn der Handwerksbetrieb an seine Kapazitätsgrenzen stößt, weil mehrere Rohbauten gleichzeitig zu bedachen sind und eigene Fachkräfte fehlen; spätestens dann sind Tragwerke aus Nagelplattenbindern als wirtschaftliche Alternative zum einzeln geplanten, auf der Baustelle zeitintensiv von Hand gezimmerten Pfettendach gefragt. GIN-Mitgliedsunternehmen liefern Nagelplattenbinder-Dachtragwerke inklusive statischer Bemessung, maßgenau und just-in-time. Die Montage erledigt entweder der Binderhersteller selbst oder ein eigens darauf spezialisierter Betrieb. Das ausführende Unternehmen muss, soweit es Mitglied in der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte ist, über das RAL-Gütezeichen 601, Teil 2 verfügen und somit nachweislich zur fachgerechten Montage von Nagelplattenbindern qualifiziert sein.    

„Beim Tragwerksbau sind in der Halle maßgenau vorgefertigte Nagelplattenbinder rein handwerklichen Konstruktionen mindestens ebenbürtig. Unter Renditegesichtspunkten erweisen sie sich oft sogar als deutlich überlegen. Das liegt unter anderem daran, dass Hersteller, die der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte angehören und das RAL-Gütezeichen 601 führen, die Tragwerksstatik selbst erstellen und dem Auftraggeber ohne Extrakosten mitliefern“, hebt Holzbauunternehmer Dipl.-Ing. Kay-Ebe Schnoor hervor, zweiter Vorsitzender des GIN sowie geschäftsführender Inhaber bei Ingenieurholzbau Schnoor mit Niederlassungen in Burg/Sachsen-Anhalt und Husum/Schleswig-Holstein.


Interview

Montieren will gelernt sein

Statt auf lukrative Aufträge zu verzichten, weil die eigene Werkstatt ausgelastet ist, macht es für leistungsstarke Zimmereien Sinn, Elemente für den Tragwerksbau von  einem GIN-Mitgliedsbetrieb anfertigen zu lassen und sich das Montieren von Nagelplattenbindern anzueignen.

Die Montage lässt sich alternativ auch an eine spezialisierten Fachbetrieb vergeben. Wie die bis zu 35 m langen Nagelplattenbinder ihren Platz auf den Umfassungswänden eines Rohbaus finden und hoch droben zu einem enorm belastbaren Dachtragwerk werden, erläutert hier der erfahrene Zimmermeister Christoph Kolberg aus Schuby/Schleswig-Holstein.

GIN:  Herr Kolberg, Sie sind seit 30 Jahren Zimmermeister und montieren mit Ihrem Team heute fast ausschließlich Nagelplattenbinder – wie kam es zu dieser Spezialisierung?

Christoph Kolberg: Schon als junger Holzbauunternehmer beschäftigte mich der Gedanke, beim Tragwerksbau rationellere Wege als meine Mitbewerber einzuschlagen. Nagelplattenbinder sind seither genau mein Ding!

GIN: Sie verbauen sie vermutlich hauptsächlich in Eigenheimen?

Christoph Kolberg: Es handelt sich in der Tat vorwiegend um Ein- und Zweifamilienhäuser, aber auch auf repräsentativen Villen sowie größeren Objekten wie Mehrgeschossern, Lagerhallen, Bürogebäuden u.v.m. fügen wir Nagelplattenbinder zu formschönen, teils klassischen, teils modernen Dachtragwerken zusammen.

GIN: Mit Nagelplattenbindern lassen sich also nicht nur symmetrische Dachformen realisieren?

Christoph Kolberg: Neben Satteldächern stehen Mansard- und Walmdächer mit Gauben derzeit hoch im Kurs. Hersteller, die Mitglied im GIN sind, fertigen objektspezifisch geplante Nagelplattenbinderkonstruktionen in jeder Länge und Breite sowie in praktisch jeder Form. Als hochgradig vorgerichtete Konstruktionsbausätze kommen die verbaubereiten Elemente zusammen mit sämtlichen Anschlussmitteln wie Betonankern, Schrauben und Nägeln etc. direkt auf die Baustelle.

GIN: Was würden Sie als Experte und Geschäftsführer eines zertifizierten Montagebetriebs Zimmereien raten, die sich mit Nagelplattenbindern vertraut machen und das nötige Montage-Knowhow aneignen wollen – worauf sollten sie in der Praxis achten?

Christoph Kolberg: Die Voraussetzungen für eine zügige Montage des Dachtragwerks auf der Baustelle werden bereits beim Beladen des LKW im Werk geschaffen. Einerlei, ob die vorgefertigten Tragwerkselemente liegend oder stehend transportiert werden, sind sie auf der Pritsche in verbaugerechter Reihenfolge anzuordnen und auf der Baustelle entsprechend abzuladen. Bei der Zwischenlagerung bis zur eigentlichen Montage kommt es darauf an, dass die Binder wettergeschützt und spannungsfrei vorgehalten werden.

GIN: Was ist darüber hinaus wichtig?

Christoph Kolberg: Ein zeitoptimierter Montageverlauf, der dem Montagebetrieb die erforderliche Rendite sichert, setzt eine detaillierte Wochenplanung des Baustellengeschehens voraus: Der erforderliche Personaleinsatz muss bekannt sein und unterstützende Maschinentechnik wie etwa der Lastkran termingerecht geordert werden.

GIN: Woher weiß das Montageteam vor Ort, welcher Binder wohin gehört?

Christoph Kolberg: Die genaue Position jedes einzelnen Binders auf den Umfassungswänden des Rohbaus geht aus dem Verlegeplan hervor, den der Hersteller nach Sichtung der Gesamtplanung für das jeweilige Gebäude unter statischen Gesichtspunkten erstellt und zusammen mit den Tragwerkselementen und dem Montagezubehör liefert. Die Abstände der Nagelplattenbinder zueinander sind darin genau definiert; auch die Aussteifung des Tragwerks durch Rispenbänder oder Einschubträger wird exakt beschrieben, so dass sich geschulte Fachkräfte problemlos orientieren und ergebnisorientiert arbeiten können. Am Ende muss jeder einzelne Binder exakt im Senkel stehen.

GIN: Gibt es Schulungen, die den Fachkräften Sicherheit im Umgang mit Nagelplattenbindern vermitteln?

Christoph Kolberg: Gerade am Beispiel Schulungen zeigt sich, wie wichtig Branchenverbände für die Qualitätssicherung am Bau sind. Die Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. bietet schon seit Jahren praxisgerechte Schulungen für Montage-Fachkräfte ihrer Mitgliedsbetriebe an; dabei sind auch Mitarbeiter aus Zimmerei- und Dachdecker-Betrieben willkommen, die über eine Verbandsmitgliedschaft im GIN nachdenken. Die Leitung der Schulungen vertraut der GIN nur Sachverständigen und gestandenen Praktikern an, die über die bauphysikalischen, statischen und konstruktiven Besonderheiten des Tragwerksbaus mit Nagelplattenbindern genauestens Bescheid wissen. Als Geschäftsführer eines reinen Montagebetriebs lasse ich meine Mitarbeiter regelmäßig beim GIN schulen.

GIN: Herzlichen Dank, Herr Kolberg, für die spannenden Einblicke in Ihr Tätigkeitsfeld.

INFORMATIONS-BROSCHÜRE

Montage-Empfehlungen für Nagelplattenbinder

Die Gütegemeinschaft Nagelplatten e.V. (GIN) hält eine Informations-Broschüre bereit, die Architekten, Statikern und Bauhandwerkern zur Planung und Montage von Nagelplattenbindern wichtige Hinweise, konkrete Empfehlungen und hilfreiche Detaillösungen für verschiedene bauliche Gegebenheiten bietet. Der GIN-Leitfaden mit Hinweisen zu Planung, Bestellung, Transport und fachgerechter Montage finden Sie in unserem   Downloadbereich. Als PDF-Datei stehen dort die Montage-Empfehlungen auch im handlichen, baustellengerechten Format bereit sowie Formulare zur Eigenüberwachung / internen Abnahme bei Dächern mit Spannweiten größer 12 m.

GIN-Mitgliedsunternehmen verwenden ausschließlich sortiertes, technisch getrocknetes Bauholz mit einer Holzfeuchte unter 20 Prozent. Das beugt dem Schwinden und Verwinden der Hölzer vor und unterstützt somit die sichere Verankerung der Nagelplatten an den Knotenpunkten.

Hellmuth-Hirth-Str. 7
73760 Ostfildern

T: 0711 239 96 -54
F: 0711 239 96 -66

E: GIN(at)nagelplatten.de

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Kontakt

 

GIN

Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V.
Interessenverband Nagelplatten e.V.

E-Mail:  gin(at)nagelplatten.de
Telefon:   0711. 239 69-54
Fax:  0711. 239 96-66

 

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